Grüne Bohnen

Heute beginnt eine neue Ära. Endlich ist das Ferienende da, und weil es gerade mit dem Schreiben und Veröffentlichen so wunderbar läuft, habe ich beschlossen, meinen Jüngsten ab sofort über Mittag im Kindergarten zu lassen. Dann stehen mir ganz ungehindert mehrere Stunden Schreibzeit zur Verfügung. Es fällt mir sehr schwer, denn das habe ich noch nie gemacht. (Meine Großen waren in diesem Alter maximal drei Stunden täglich aus dem Haus.) Dabei sind die Erzieherinnen supernett und kompetent. Die besten Freunde sind auch alle da, und eine Köchin bekocht die Kinder mit lauter frischen Zutaten. Bestimmt frischer als das, was ich manchmal so biete, wenn ich im Schreibstress bin.
Gestern gab es bei uns zum Beispiel Bohnensuppe. Okay, die Bohnen waren frisch aus dem Garten, aber mein Flo hasst Bohnensuppe abgrundtief. Also kann es im Kiga auch nicht schlimmer werden.
Trotzdem fühle ich mich mies. Als würde ich meinen Kleinen abschieben, ich kann es nicht leugnen.

Eben war es dann also so weit:

Wir fahren zum Kindergarten. In der Tasche ein leckeres Pausenbrot, kleingeschnittene Möhren (für die Schweizer Leser: Rüebli) und das Getränk in der nagelneuen Schlümpfe-Trinkflasche. Die Sonne scheint, der Himmel lacht und zeichnet mit den Wolken Geschichten für uns auf. Flo ist motiviert, schließlich darf er auch Papa Schlumpf zur Feier des Tages mitbringen.

»Um zwölf, wenn die Glocke läutet!«, sagt er, als ich mich verabschieden will.
»Heute bleibst du über Mittag.«
»Na gut«, sagt Flo. »Dann eben um zwei, wenn die Glocke läutet.«
»Um zwei«, bestätige ich und zwinkere ein Tränchen weg, das sich herausstehlen will. »Es gibt bestimmt etwas Leckeres zu essen«, füge ich noch hinzu, um ihn und mich zu trösten.
»Was denn?«, will Flo wissen.
Weil ich keinen blassen Schimmer habe, gucken wir auf die Liste, die am Schwarzen Brett hängt.
Mist.
»Es gibt grüne Bohnensuppe.«
Flo sackt sichtlich in sich zusammen.
»Die schmeckt bestimmt viel besser als zu Hause«, sage ich. »Und außerdem gibt es noch ein, äh, Vollkornbrötchen dazu.«

Ich schäme mich, ehrlich, aber für dieses miese Timing kann ich nun wirklich nichts. Leider habe ich noch nicht einmal eine fröhliche Pointe zum Schluss, denn an Bohnensuppe führt einfach kein Weg vorbei. Mein Fazit für den Beginn dieser neuen Ära?
Nicht für jeden ist ein Neuanfang schön. Manchmal muss man in die grüne Bohne beißen. •