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In Südböhmen

Die letzten Tage bin ich noch einmal in Tschechien gewesen, um meine Erinnerungen aufzufrischen und die Luft einzuatmen, die durch die ersten beiden Bände der Rabenblut-Saga weht. Gewohnt habe ich wieder in einer kleinen Pension in Český Krumlov, einem mittelalterlichen Städtchen mit pittoresken Häusern, die einem das Gefühl vermitteln, durch einen tschechischen Märchenfilm zu spazieren. Doch leider sind die wunderschönen Häuser nur noch Kulisse, lediglich 300 Menschen sollen dort tatsächlich noch wohnen. Inzwischen ist der Ort so stark touristisch überlaufen, dass kein echtes Leben dort mehr zu sehen ist. Die historische Innenstadt gehört zwar seit 1992 zum Unesco-Weltkulturerbe, doch schützt diese Auszeichnung nur die Gebäude und nicht das städtische Leben. Ein wenig hat man das Gefühl, durch einen Straßenzug von Disneyland zu laufen, was ich sehr traurig finde. Es ist für mich auch nicht so leicht gewesen, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, obwohl viele Englisch und Deutsch verstehen und ich mich auch bemüht habe, wenigstens einige Sätze auf Tschechisch zu stammeln. Für die Augen ist der Ort also ein Traum, für die Seele jedoch nicht.

Von dort aus habe ich dann einen Tagesausflug nach Orlík nad Vltavou unternommen, das Schloss der Familie von Schwarzenberg, welches ich im Roman Alexejs Großmutter angedichtet habe. Mein Glück war, um die Mittagszeit die einzige Besucherin gewesen zu sein, deshalb bekam ich eine exklusive Führung durch das kleine Schloss und konnte einige brennende Fragen loswerden.

Ganz sicher gibt es beeindruckendere Burgen und Schlösser in Böhmen, aber durch die Bücher bin ich emotional stark an diesen Ort gebunden. Es kommt mir vor, als hätte ich all diese Vorkommnisse dort selbst erlebt, wäre mit Sergius dort aus dem Fenster geklettert, hätte im Innenhof gegen das Habichtweibchen gekämpft oder an der Moldau das Herz aus diesem kleinen Rabenkörper geschnitten. So viel schöne und schreckliche Dinge sind dort geschehen, und ein Stück aus meinem Herzen wird für immer dort zurückbleiben.

Meine Wanderung durch den Nationalpark einen Tag später, auf die ich mich am meisten gefreut habe, wurde allerdings ein selbstverschuldetes Desaster. Eigentlich bin ich es gewohnt, mich in einem fremden Wald zu bewegen, aber man kann sich auch als erwachsener Mensch ziemlich dämlich anstellen, habe ich festgestellt. Nur so viel: Ich habe mich verlaufen und bin einige Stunden länger als geplant in der Gegend um den Fluss Vydra herumgeirrt. Belohnt wurde ich aber durch eine atemberaubende und kraftvolle Landschaft, die einem so viel mehr schenkt als es alte Städte mit ihren Bauten je könnten.

Ich werde jetzt schon wehmütig, wenn ich daran denke, dass ich nach Abschluss der Trilogie wahrscheinlich so bald nicht noch einmal nach Südböhmen fahren werde. Aber in meinem Kopf tauchen dafür nun andere wunderbare Orte in Osteuropa auf, die mich sehr faszinieren und die es ganz bestimmt wert sind, durch Geschichten mit Blut gefüllt zu werden.

Auf dem letzten Bild seht ihr das Wappen derer von Schwarzenberg, wie es im Innenhof von Zámek Orlík abgebildet ist. Deutlich zu erkennen ist der Rabe, der auf einen Türkenkopf einpickt.

Diesen Teil des Wappens gibt es so seit 1599. Adolf von Schwarzenberg hat gemeinsam mit dem Grafen Pálffy die Festung Raab von den Türken zurückerobert und wurde dafür von Rudolf II. (HRR) mit einem Grafentitel belohnt. Lange hatte er nichts davon, denn schon 1600 wurde er tödlich verwundet. Dr. Karl Fürst zu Schwarzenberg (ehemaliger Außenminister der Tschechischen Republik) schrieb dazu in der 1956 erschienen Erklärung zum Wappen der Fürsten zu Schwarzenberg: »Dieses Gnadenwappen hat wegen seiner einprägsamen Form eine besondere Popularität erworben. Ich meine, wer überhaupt von Schwarzenbergischen Zeichen etwas weiß, der wird zunächst den Raben im Gedächtnis behalten haben. Das ist auf die Übung der Familie selbst zurückzuführen, welche den Raben förmlich zu ihrem Abzeichen gemacht hat.«

In Anbetracht meiner Geschichte wundert mich das natürlich gar nicht.

Höllisch aufregend

Im Augenblick ist unser Leben höllisch aufregend. Es fing ganz harmlos damit an, dass der Bildschirm unseres schnurlosen Telefons plötzlich schwarz wurde. Hätte ich vorhergesehen, worauf das hinauslaufen würde, hätte mir da schon das Herz bis zum Halse gepocht, aber ich war völlig ahnungslos. So unternahmen wir alles erdenklich Mögliche, um das Gerät zu reaktivieren. Wir beschenkten es mit neuen Akkus, gönnten ihm ein stundenlanges Strombad an der Steckdose und wischten mit einem fusselfreien Lappen zärtlich über das Gehäuse. Doch es half alles nichts, der Bildschirm wurde nur für Minuten hell, um dann mitten in einem wichtigen Telefonat endgültig zu erblinden.

Der Liebste besah sich den Schaden mit fachkundigem Blick und stellte fest, dass es sich bei diesem Gerätetod ganz klar um geplante Obsoleszenz handeln müsse, schließlich sei die Garantie gerade erst abgelaufen. »Stell dich schon mal darauf ein, dass die beiden anderen Handgeräte bald ebenfalls kaputtgehen.«

Mit grimmiger Miene begann er auch sogleich, im Internet nach geeigneten Nachfolgern zu googeln.

Ich hingegen googelte erst einmal nach diesem Fremdwort. Da ich aber Verschwörungstheorien grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe, tat ich seine Prophezeiung mit einem Kopfschütteln ab.

Vier Tage später versagte das zweite Handgerät unseres Telefons, und ich wurde nervös. Was, wenn wir bald ganz ohne Telefon dastünden? Was, wenn sich aus den beiden defekten Geräten eine ganze Serie entwickeln würde? Sind es nicht immer drei Dinge, die kaputtgehen? Bitte nicht das Auto, flehte ich. Hoffentlich nicht die Waschmaschine, meinte der Liebste.

Um das letzte Telefon vor seinem plötzlichen Gerätetod zu bewahren, gaben wir den Kindern ausführliche Instruktionen, wie sie es in Zukunft zu behandeln hätten. Wir untersagten Ihnen, das Handgerät weiterhin unter ihren Klamottenbergen zu vergraben, oder damit aus Wut über ihr Versagen an der Playstation auf die Tischplatte zu hämmern, wie sie es für gewöhnlich taten. Wir rieten ihnen, die Gespräche zu reduzieren, um möglicher Überhitzung vorzubeugen. Und wir verlangten außerdem, dass sie es nach der Benutzung die Treppe heruntertragen und es liebevoll wieder auf die Ladestation stecken sollten. Ihm gut zuzureden, könne auch nicht schaden.

Ich muss gestehen, dass ich mich nach einer weiteren Woche ohne besondere Vorkommnisse in Sicherheit wiegte. Das Telefon dudelte freundlich vor sich hin, falls es jemand wagte, uns direkt anzurufen, ohne sich vorher per WhatsApp zu vergewissern, ob es gerade passte. Die Sonne schien, die sogenannte geplante Obsoleszenz war nur ein paranoider Gedankensprung im Universum und überhaupt wurde Telefonieren völlig überbewertet.

Nach zehn Tagen jedoch klingelte die Basisstation unseres Telefons, aber das letzte verbliebene Handgerät blieb stumm. Die Gänsehaut, die mich überzog, war ein erster Vorgeschmack auf das, was uns nun jeden Tag bereichert: Nervenkitzel pur.

Wir benutzen nun ein altes Bakelit-Telefon mit Wählscheibe, das ich irgendwann in einem Anflug von Nostalgie gekauft hatte. Allein der Hörer wiegt ein ganzes Kilo, was verhindert, dass die Gespräche ausufern. Um ellenlange Telefonnummern zu wählen, bedarf es Geduld und eines starken Zeigefingers, aber das ist kein Problem, wir sind nun trainiert. Woran wir uns aber nie gewöhnen werden, ist das Herzklopfen und die Aufregung, wenn das Telefon klingelt, und das liegt nicht daran, dass es so laut scheppert, als kullerten Murmeln in einem Kochtopf hin und her. Mit einem Mal wissen wir nicht mehr, wer gerade anruft, und das ist schockierend! Früher genügte ein Blick auf das Display, um zu entscheiden, ob man gerade zuhause war oder (lieber) nicht.

Der Steuerberater? Die Zahnärztin? Die Lehrerin, weil dringend Gesprächsbedarf herrscht? Wir sind leider nicht zuhause.

Aber jetzt ist jeder Telefonanruf eine Bombendrohung. Nach dem ersten Ton schon bricht einem der Schweiß aus, und man geht gedanklich alle Sünden durch, die man in den vergangenen Tagen begangen hat. Haben wir falschgeparkt? Die Bücher nicht rechtzeitig in die Bücherei zurückgebracht? Einen Geburtstag vergessen, oder versäumt, den Wasserhahn bei der Schwiegermutter zu reparieren?

Wenn ich nun den Hörer abnehme, überrieselt mich ein Schauer und alle Härchen auf meinen Unterarmen stellen sich auf. Ich hauche ein »Ja bitte?« in die Muschel, bereit, jederzeit den Kopf einzuziehen oder mich in Ausflüchten zu ergehen. Dieser Nervenkitzel ist atemberaubend. Außerdem hält er jung und flexibel, denn man muss sich nun innerhalb von Sekunden auf einen unerwarteten Gesprächspartner einstellen. Glücklicherweise sind die Gespräche aber fast nie für mich oder den Liebsten. Es sind Freunde unserer Kinder dran, die sich beschweren, dass unsere Jungs nicht an ihre Handys gehen. »Wahrscheinlich ist der Akku leer«, sage ich dann und erfreue mich an der Tatsache, dass ich das alte Bakelit-Telefon wegen des Kabels nicht zu ihnen die Treppe hochtragen kann.

Das Auto ist übrigens trotzdem kaputtgegangen.

Die Spannung steigt

Nur noch drei mal schlafen, dann erscheint mein neues Buch. Obwohl es ursprünglich nur eine kleine Liebeskomödie werden sollte, sind es dann doch 460 Seiten geworden und eine Geschichte, die mir den Bauch gewärmt hat wie ein Schluck heißer Suppe. Das E-Book ist ab dem 26.03. erhältlich — wer es bereits vorbestellen möchte, folge bitte diesem Link. Das Taschenbuch kommt einige Tage später, denn es wird gerade noch gesetzt. Zum Inhalt findet ihr auf der Buchseite mehr. Ich bin sehr gespannt, wie es euch gefallen wird!

Alles Liebe
Nikola

Regenschirmnostalgie

Der Liebste braucht einen neuen Regenschirm. Aufgefallen ist ihm das vor einigen Tagen, als er sich wie üblich auf den Sportplatz quälte, um seine Söhne beim Fußball anzufeuern. (Er behauptet immer, sich dorthin quälen zu müssen, um mein Mitleid zu erregen, aber im Grunde wissen wir beide, wie gerne er am Spielfeldrand steht und mit leiser Stimme wichtige Instruktionen an den Schiedsrichter weiterleitet, ohne die der kein faires Spiel pfeifen könnte, dieser Versager.)
Als der Liebste diesmal durchnässt und mit klappernden Zähnen wieder zu Hause ankommt, teilt er mir mit, er habe seinen Schirm verloren. Nach kurzer Recherche finden wir heraus, dass der Schirm am Wochenende bei unserem Restaurantbesuch in der L’Osteria am Rhein verblieben sein muss.
»Ich habe diesen Schirm geliebt!«, erklärt mir mein Mann.
Ob der nicht bloß vom Aldi war, will ich wissen.
Der Liebste bekommt verklärte Augen und nickt. »Hat nur acht Euro gekostet. Aber es war der beste Schirm, den ich je hatte. Ein Familienschirm.« Sein Blick wird wehmütig. »Nie wieder werde ich einen solchen Schirm finden.«
Ich bin praktisch veranlagt und sage: »Dann fahr halt hin, bestimmt haben sie ihn aufgehoben.«
Er schüttelt den Kopf. »Ganz sicher hat ihn sich schon jemand unter den Nagel gerissen. War ein guter Schirm.« Er klingt, als spräche er über einen alten Kriegskameraden.
»Wenn er dir so wichtig ist, dann solltest du trotzdem hinfahren.«
Der Liebste ist jedoch ebenfalls praktisch veranlagt. »Bis zur L’Osteria sind es mehr als 20 Kilometer. Allein das Benzin, das ich dabei verfahre, die Umweltbelastung, die Zeit, die mich das kostet — für einen Schirm, der bloß acht Euro wert ist — nur um am Ende mit leeren Händen wieder nach Hause zu kommen …« Seine Stimme erstirbt.
Eine knappe Woche später sucht er den nächsten Aldi auf (zwei Kilometer von uns entfernt), hat aber kein Glück, Regenschirme sind gerade nicht im Angebot. Im Lidl ebenfalls nicht. Der dm-Markt führt zwar Regenschirme (noch einmal 2 Kilometer entfernt), allerdings nur Knirpse. Ich schlage dem Liebsten vor, sich mit einem solchen zufriedenzugeben. Aber er lehnt ab. Ein Knirps, so könne man bereits aus dem Namen ableiten, eigne sich nicht für einen erwachsenen Mann, erst recht nicht für einen, der am Spielfeldrand zu stehen beliebe, er könne sich damit dem Spott der anderen Väter aussetzen. Das sehe ich ein.
Bei der nächsten Gelegenheit nehme ich mir einen Nachmittag frei, um den Liebsten zum Kaufhof nach Siegburg zu begleiten. (22 Kilometer, einfache Strecke) Auf dem Weg dorthin, spule ich meine Motivationsleier ab: Auch andere Läden haben schöne Schirme, viele Schirme führen in die Trockenheit, im Notfall ist ein Leben ohne Schirm auch möglich usw.
Der Kaufhof führt Schirme, jede Menge Schirme. Wir befinden uns quasi im Regenschirm-Eldorado! Doch der Liebste ist unglücklich. Keiner der Schirme kann ihn sowohl von der Farbgebung, der Funktionalität als auch der Größe überzeugen. Mit leeren Händen und einsamem Herzen fahren wir nach Hause.
Auf dem Weg vom Parkplatz zum Haus regnet es.
Einen Tag später — über Nacht hat der Liebste neuen Mut gewonnen — schlägt er mir einen Ausflug nach Asbach vor. Das ist lediglich 14 Kilometer von uns entfernt und man fährt eine kurvenreiche Strecke durch die schönste Natur. Wenn wir schon mal da wären, so können wir doch auch gleich das Einkaufscenter dort besuchen, er habe gehört, dort gäbe es eine große Auswahl an Regenbekleidung und -zubehör.
Der Ausflug dauert nicht lang, und wir finden dort tatsächlich nach weniger als einer Stunde einen passenden Regenschirm. Er ist schwarz, er ist groß und er lässt sich mit einem Knopfdruck bedienen. Lediglich der Griff ist nicht so angenehm gummiert wie der alte Schirm, den wir verloren haben. Bei diesem könne der Liebste eventuell kalte Hände bekommen.
Wir erwerben noch ein Paar Handschuhe.
Jetzt in diesem Augenblick steht der Liebste auf dem Sportplatz, um seine Söhne anzufeuern. Die Sonne scheint, aber ich weiß, dass er den neuen Schirm im Kofferraum mitgenommen hat, für alle Fälle. Er ist glücklich, und ich freue mich mit ihm. Deshalb habe ich auch die Nachricht auf dem Anrufbeantworter eben gelöscht. Jemand von der L’Osteria hat angerufen, weil wir offenbar unseren Schirm dort vergessen haben. Ich finde ja, man muss die Vergangenheit auch mal ruhen lassen.

Sponsorenlauf

Die Schulen brauchen Geld. Über die Jahre haben sie gewiefte Methoden entwickelt, um an solches zu kommen. Auf Platz 1 der Geld-Sammel-Aktionen steht der Sponsorenlauf. Das ist eine raffiniertere Angelegenheit als eine Tupperparty. Auf einer Tupperparty gibt man schon nicht gerne zu, dass man kein Geld für all die schönen Plastikboxen hat. Und wenn die Frau, die all die schönen Plastikboxen präsentiert, ankündigt, dass nur noch wenige Euros fehlen, damit die Gastgeberin ein Konvolut von Pfannenwendern erhält, setzt einen das gehörig unter Druck.
Beim Sponsorenlauf ist es noch schlimmer. Denn eintragen muss man etwas, wenn man nicht will, dass das eigene Kind sich die Augen ausweint. Die Kinder, die am meisten eingebracht haben, werden nämlich in der Klasse namentlich erwähnt. Für jede Runde, die das Kind läuft, müssen seine Sponsoren bezahlen. Sponsoren sind in diesem Falle Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten oder mitleidsvolle Nachbarn, die so dumm waren, die Haustüre zu öffnen, als unsere Kinder bei ihnen klingelten.
Zu Beginn unserer Sponsoren-Laufbahn ist es uns passiert, dass wir großzügig 10 € eingetragen haben und das Kind hatte am Tag des Laufs gut gefrühstückt und lief 10 Kilometer.
Wir sind aber keine Anfänger mehr. Wir wissen genau, wie man einen Sponsorenzettel ausfüllt, um möglichst wenig geschröpft zu werden.
»Wie viele Runden gedenkt ihr zu laufen?«, fragen mein Mann und ich unsere Söhne.
»Mal sehen«, ist die einstimmige Antwort.
»Wir müssen das aber vorher wissen«, erkläre ich rundheraus. »Sonst wird es zu teuer.«
»Aber Mama«, fängt der Große an. »Das kann ich vorher nicht sagen. Bei fünfzig Cent bin ich nicht so motiviert wie bei fünf Euro, ist doch klar.«
Mein Mann nickt wissend. »Also müssen wir wenig eintragen, damit ihr wenig lauft.« Er schnappt sich den Zettel und trägt neben seinen Namen 0,10 € ein.
»Du kannst doch nicht bloß zehn Cent eintragen!«, sage ich. »Wie sieht das denn aus?«
»Ist mir egal, wie das aussieht. Wenn sie zehn Kilometer laufen, dann kostet mich das nur ein Euro, ist doch super.«
Es folgt das jährliche Ritual von Argumenten und Gegenargumenten. Bei der Halbzeit fallen Worte wie Gruppenzwang und Mafia. Am Ende einigen wir uns auf 1 € und nehmen den Kindern das Versprechen ab, nicht mehr als fünf Kilometer zu laufen.
Es ist nicht so, als wären wir geizig. Aber mit den Jahren stumpft man ab. Vor allem fischt man so häufig Zettel mit Zahlungsaufforderungen aus dem Ranzen, dass man sich allein beim Anblick eines Schullogos sofort aufs Portemonnaie setzen möchte.

Es kommt der Tag des Sponsorenlaufs.
Die Kinder bekommen kein Frühstück. Sie müssen die Sportschuhe anziehen, die wir aus einem alten Karton gefischt haben und die ihnen viel zu klein sind. Dafür packen wir sie in Thermo-Unterwäsche, in die wir vorher kleine Gewichte eingenäht haben. So bringt jedes unserer Kinder ein Plus von 10 Kilo auf die Waage. Sie schleppen sich mühsam zum Bus. Als sie nachmittags wieder nach Hause kommen, belauern wir sie bereits an der Haltestelle.
»Wie viele Runden seid ihr gelaufen?«
Unsere Söhne sind missgelaunt. Sie beschweren sich, ihre Trainingsanzüge seien viel zu warm und zu schwer gewesen. Es sei unmöglich, damit mehr als fünf Runden zu laufen. Aber kein Problem, die Kinder, die an den Haltepunkten Dienst taten, hätten ihnen so viele Stempel aufgedrückt, bis die Karte voll war. Wir sollen uns jetzt schon auf eine saftige Rechnung gefasst machen.

Nun überlegen wir, ob wir Manipulationsvorwürfe erheben sollen. Aber dann kommt mein Mann auf die Idee, einen anonymen Anruf zu tätigen. Mit ein bisschen Glück können wir bald nachweisen, dass unsere Söhne gedopt haben und sie werden nachträglich disqualifiziert.

Rehbock mit Schleier

Seit über einem Jahr erhalten wir regelmäßig Besuch von einem unwillkommenen Gast: ein Rehbock mit zwei kleinen Hörnern. Er kommt immer dann, wenn der Tisch für ihn reich gedeckt ist, sprich: Es gibt Blumen.
Keine Ahnung, warum er ausgerechnet so einen Blütenfimmel hat. Er ist schließlich ein Kerl. Zuerst haben wir die Kinder verdächtigt, die Rosenblüten abzureißen. (Wer Kinder hat, weiß ja, dass man denen alles zutrauen kann.) Aber dann erwischten wir ihn in flagranti.
Er sieht hübsch aus mit seinem süßen Köpfchen und den eleganten Beinen, wenn er mit Genuss den Garten abgrast, während wir nichtsahnend am Kaffeetisch sitzen. Es sieht auch hübsch aus, wenn er über hohe Zäune springt. Leider springt er immer auf die falsche Seite. Wegen ihm haben wir eine Menge Opfer zu beklagen: Rosen, diverse Büsche, Stockrosen (Weiß er nicht, dass auf das Dezimieren von Stockrosen die Todesstrafe steht?), Gartenkräuter, Tulpen, Narzissen … (Liste beliebig erweiterbar.) Im Winter saugte er wie ein Staubsauger die Körner unter den Vogelhäuschen auf.
Neulich sah ich ihn frisch verliebt. Seine Partnerin wartete hinter dem Zaun, während er sich bei uns sättigte. Sie sah ihm bewundernd zu. Ich bin mir sicher, dass er ihr nur zeigte, was er für tolle Futterplätze kennt. An seiner Seite müsste ihr Nachwuchs niemals Hunger leiden, so viel ist klar.
Anscheinend haben sich die beiden nun verlobt.
Gestern sagte unsere Nachbarin, der Bock hätte ihre Tomatenpflanzen getötet. Auch das grüne Netz, mit dem sie diese vorsorglich abgedeckt hatte, war verschwunden. Hoffentlich hat er es gefressen, meinte sie, dann wäre er bald hin. (An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich ihm auch mehr als einmal gewünscht habe, er solle an Bauchschmerzen verenden. Man mag es mir verzeihen, es ging dabei schließlich um mein Gemüse.) Jedenfalls sah ich ihn heute wieder. Er fraß gerade an einem Strauch, der direkt neben der Kinderschaukel wächst. Meine Kinder waren entzückt. Mein Mann war entzückt. »Mach doch mal ein Foto!«, meinte er.
Als ob ich ein Foto machen würde, wenn das Vieh sich vor meinen Augen den Bauch vollschlägt! Ich rannte also nach draußen, ruderte mit den Armen und gab Laute von mir, die man eher von einem Neandertaler erwarten würde. Der Rehbock stutze, dann trabte er los. Elegant flog er über die Koppel dahin und setzte über den Zaun. Ein grünes Netz (das grüne Tomatennetz) hing an seinen Hörnern fest und flatterte wie ein Schleier hinter ihm her.
Deshalb weiß ich so genau, dass er sich verlobt hat. Die Hochzeit findet sicher heute Nacht in unserem Gemüsebeet statt. Ich überlege, Reis für sie auszustreuen. Man muss schließlich wissen, wann man verloren hat.

Lieber Herr Röhrs

Wir kennen uns nicht persönlich. Trotzdem hatte ich das dringende Bedürfnis, Ihnen zu schreiben.
Ich bin aus allen Wolken gefallen, und daran sind Sie schuld!
Heute packte mein ältester Sohn seine Schultasche und ließ einen Satz fallen, der mich bis in die Haarwurzeln erbeben ließ. Er sagte:
»Oh, wie geil, morgen habe ich Chemie!«
Er meinte das nicht ironisch. Das erkannte ich an seinem breiten Grinsen und an der Tonlage, die nahe bei »Wir fahren gleich zu McDonald’s!« oder »Ich bin schon in Level 39!« lag.
Sie werden verstehen, dass mich diese Begeisterung in Erstaunen versetzte. Mein Sohn ist kein Streber. Er geht in die Schule, aber nicht freiwillig. Er lernt, weil er muss. Ansonsten interessiert er sich nur für drei Dinge: den Fußball-Verein, für den er spielt, die Bundesliga-Tabelle und Schalke 04. Außerdem kann er das Fernsehprogramm auswendig (Champions League), und er liest Zeitung (Sportteil).
Und nun spricht er von Chemie!
Ich versuchte, meinen Schock zu verbergen, aber es gelang mir nicht. Ich fragte ihn, was denn so Besonderes an Ihnen sei, dass er sich auf einmal für die Naturwissenschaften interessiere.
Er meinte: »Herr Röhrs ist einfach genial!«
»Was ist denn an ihm so toll?«
»Er ist nett.«
»Aha. Und sonst?«
»Er ist cool.«
Das half mir nun nicht wirklich. Ich wusste also, Sie sind nett und cool. Aber weiter?
»Was macht er denn anders als die anderen Lehrer?« Jetzt wollte ich es genau wissen.
»Er zeigt uns jedenfalls keine rote Karte, wenn wir laut sind, so wie die anderen.« Mein Sohn verdrehte die Augen.
»Was denn?«
»Wenn wir quatschen, dann ruft er ganz laut ›Hey, hey, hey!‹. Und wir müssen dann alle antworten: ›Ho, ho, ho!‹«
»Und dann seid ihr still?«
»Fast immer. Wenn noch einer stört, dann muss er Liegestütze machen.«
»Musstest du denn schon mal Liegestütze beim ihm machen?«
»Spinnst du? Ich will doch was hören!«
Ach.
Das war der Moment, in dem ich wirklich und wahrhaftig sprachlos war. Heute habe ich mir dann das Chemieheft meines Sohnes angesehen. Insgeheim hatte ich ja den Verdacht, dass Sie den Kindern einfach nur einen Kinofilm anstellen und es als Unterricht tarnen. Ist aber nicht so. Ich las, dass jede Arbeitsgruppe bei Ihnen einen Namen hat. Die Gruppe meines Sohnes heißt ACDC. Als Letztes hat mein Sohn bei Ihnen etwas über »Stoffeigenschaften« gelernt. Die Stationen, die er bearbeiten musste, hatten Namen wie »Heiß, heißer, am heißesten«, »Du bist aber anziehend!« oder »Alter Sack«.
In seinem Schnellhefter fand ich ein Arbeitsblatt mit dem Titel »Das seltsame Verhalten von Schokoriegeln«. Mein dauergelangweilter, pubertierender Sohn hat mit Begeisterung das Volumen von Milky Way und Snickers berechnet. Und er macht sich neuerdings über mich lustig, weil ich keine Ahnung habe, was ein Teclubrenner ist. (Ich hatte leider nicht Sie in Chemie, sondern Schwester Ingrid. Und Schwester Ingrid in der schwarzen Kutte … aber lassen wir das, die Erinnerung daran ist immer noch schmerzvoll.)
Warum ich Ihnen nun aber schreibe, hat einen ganz simplen Grund: Ich möchte mich bei Ihnen bedanken.
Ich verehre und bewundere Sie!
Und ein wenig bin ich traurig, dass ich nicht Sie in der Schule hatte, sondern diesen Besen. Was hätte alles aus mir werden können, wenn nicht Schwester Maria Scholastika mit dem Stock auf das Pult geknallt hätte oder Schwester Ingeborg so viel gespuckt hätte, dass niemand bei ihr in der ersten Reihe hatte sitzen wollen? (Das, was sie da ausspuckte, roch auch nicht gut.)
Ich hätte Chemikerin werden können. Es klingt sehr spannend, wenn mein Sohn mich jetzt die verschiedenen Vokabeln abfragt, von Abdampfschale bis Rundkolben. Damals fand ich das nicht.
Ich weiß, dass nicht alle Lehrer sind wie Sie. Ich weiß, dass Sie etwas ganz Besonderes sind. Was sehr betrüblich ist, denn so wird aus meinem Sohn bestimmt nie ein Mathematiker oder ein Sozialwissenschaftler. Deshalb habe ich noch eine Bitte. (Und ich hoffe, Sie empfinden das nicht als anmaßend.)
Können Sie sich noch weiterbilden und eventuell noch das ein oder andere Fach übernehmen? Am liebsten wären mir Deutsch, Mathe, Englisch, Spanisch und Erdkunde. Das schaffen Sie doch! Eventuell würde Ihnen auch noch Politik gefallen? Ich bin auch gerne bereit, Sie zu unterstützen. Allerdings nicht heute, da muss ich die Fragen meines Sohnes beantworten. Er hat nämlich ein Chemie-Quiz gebastelt.
Frage 1: Woraus besteht Glas hauptsächlich?
Ich war so dämlich und habe die Antwort (Sand) nicht gewusst. Jetzt muss ich Liegestütze machen.

Herzliche Grüße
Nikola Hotel

Gute alte Freundin

Sie ist da.
Im Grunde habe ich nichts gegen ihren Besuch, freue mich sogar darüber.
Sie kommt nie unangemeldet, sondern immer dann, wenn das Laub geht. Diesmal habe ich ihre Ankunft nicht sofort bemerkt, weil ich durch die vielen Termine abgelenkt war.
Aber jetzt sitzt sie vor mir. Ihr Kleid ist fadenscheinig, und als sie ihre dünnen Beine von meinem Tisch herunterbaumeln lässt, sehe ich, dass sie ein paar blaue Flecken hat. Das tut mir leid. Ich bin mir sicher, die hat ihr jemand zugefügt, der sie nicht bei sich haben wollte.
Ich streiche ihr über den Kopf und flüstere beruhigende Worte. Hier ist sie willkommen. Niemals würde ich sie abweisen, denn ihre Ruhe tut auch mir gut. Sie ist nie laut oder aufdringlich. Melancholias Stimme ist zerbrechlich wie trockenes Laub. Ihr Blick geht zum Fenster, wandert über die Nebelwiesen und bleibt an den Birkenblättern hängen, die jetzt im Herbst genau dieselbe Farbe haben wie ihr Haar. Ich möchte ihr die Beeren der Eberesche pflücken und zwischen die Strähnen stecken, aber ich darf noch nicht.
Dabei merke ich ganz deutlich, dass mein Rumpf leer ist. Die Luft ist raus. Bitte kräftig pusten!, verlangt der Stempel auf meiner Brust. Ein wenig drückt er auch. Das habe ich schon bei der letzten Lesung gemerkt: Die Szene, bei der einer meiner Protagonisten stirbt, lässt meine Stimme flackern wie eine Schiffslaterne. Ich sehe mir Fotos an und sofort läuft mir Wasser aus den Augen. Vielleicht bekomme ich auch nur meine Tage.
Ich vergesse zu essen – das passiert mir sonst nie.
Ich bin satt.
Ich bin 35. Aber irgendwo hinter dem Brustbein, da bin ich gerade 65.
Andere sind so schnell, schreiben einen Roman nach dem anderen. Ich bin froh, wenn ich meine eigene Stimme hören kann, von Aufschreiben ganz zu schweigen. Meine Ohren wollen nicht hören. Die Flimmerhärchen sind abgerieben, die zarte Haut darunter ganz wund. Eine Nocturne in b-Moll wird vielleicht helfen.
Ich bin so froh, dass sie da ist: gute alte Freundin Melancholia. Die Ruhe, die sie allein mit ihrer Anwesenheit verbreitet, lässt mich auf Watte gehen. Sie wählt Bücher für mich aus und füttert mich mit Sätzen. Sie versteht, dass ich nicht geliked werden möchte. Dass ich mich zurücksehne nach einer Zeit ohne Herzchen und Buttons.
Jetzt gerade nickt sie mir zu. Was das heißt, weiß ich, auch wenn sie es nicht ausspricht: Du musst nicht lächeln. Lächeln ist bedeutungslos.
Das erleichtert mich.
Und ich bin unendlich froh, dass sie da ist.

Muskeltraining

Ich habe Muskelkater. Leider nicht im Schreibmuskel, sondern da, wo frau das für gewöhnlich hat: Bauch, Beine, Po. Seit etlichen Monaten war ich wieder Joggen. Das Feld herunter, ein kleines Stück am Bach entlang, das nächste Feld entlang, vorbei an der Schafswiese (»Glotzt ruhig, ihr Schafe!«) und dann die scharfe Kurve bergauf.
 Hier wird es verdammt hart.
Mein Ältester läuft neben mir her. Locker, leicht. Ich höre ihn nicht einmal atmen. Das ist auch gar nicht möglich, denn ich schnaufe für zehn. Ich schnaufe so laut, dass ich meine, die Lungenbläschen würden platzen.
»Brennt es bei dir auch so in den Oberschenkeln?«, frage ich ihn und bereue es sofort. An seinem verständnislosem Ausdruck sehe ich, dass er keine Ahnung hat, wovon ich rede.
»Wie brennen?«
»Ach nichts.«
»Naja, manchmal«, gibt er zu. »Wenn wir beim Fußball das Spezialtraining machen.« Er führt mir einige Sprünge vor. Seitwärts laufen, Haken schlagen. Das Ganze bergauf, wo ich schon froh bin, wenn ich nicht über meine Zunge stolpere, die auf dem Asphalt neben mir herschleift.
Er redet. Ununterbrochen. Ich zähle dafür meine Atemzüge. Seitenstiche sind das Letzte, was ich jetzt gebrauchen könnte. Dann sehe ich Sternchen. Nicht am Himmel, denn wir laufen ja bei Tageslicht. Die Sternchen sehe nur ich. Direkt vor meinen Augen. Wäre das ein Cartoon  — und es muss für Außenstehende verdammt stark nach einem Cartoon aussehen — dann würden gleich Vögelchen um mein Haupt zwitschern.
 Bevor ich umkippe, beschließe ich, den Rest des Berges zu gehen. Ohnehin laufe ich so langsam, dass man bequem neben mir herschlendern könnte. Das erinnert mich an einen Tag meiner Kindheit:
 Bad Ischl, Österreich. Wir fuhren mit einer historischen Bimmelbahn. Auf einer Plakette im Wageninneren stand in Frakturschrift: »Blumenpflücken während der Fahrt verboten!«
Als Kind habe ich mich darüber beömmelt. Aber nur so lange, bis die Bahn anfuhr. Das Tempo war so gähnend langsam, dass ich durchaus verstehen konnte, wenn man zwischendurch die Zeit nutzen und ein paar Beeren am Wegesrand einsammeln wollte.
 Mein Sohn jedenfalls besaß den Anstand, auf das Blumenpflücken neben mir zu verzichten. Das rechne ich ihm hoch an.

Grüne Bohnen

Heute beginnt eine neue Ära. Endlich ist das Ferienende da, und weil es gerade mit dem Schreiben und Veröffentlichen so wunderbar läuft, habe ich beschlossen, meinen Jüngsten ab sofort über Mittag im Kindergarten zu lassen. Dann stehen mir ganz ungehindert mehrere Stunden Schreibzeit zur Verfügung. Es fällt mir sehr schwer, denn das habe ich noch nie gemacht. (Meine Großen waren in diesem Alter maximal drei Stunden täglich aus dem Haus.) Dabei sind die Erzieherinnen supernett und kompetent. Die besten Freunde sind auch alle da, und eine Köchin bekocht die Kinder mit lauter frischen Zutaten. Bestimmt frischer als das, was ich manchmal so biete, wenn ich im Schreibstress bin.
Gestern gab es bei uns zum Beispiel Bohnensuppe. Okay, die Bohnen waren frisch aus dem Garten, aber mein Flo hasst Bohnensuppe abgrundtief. Also kann es im Kiga auch nicht schlimmer werden.
Trotzdem fühle ich mich mies. Als würde ich meinen Kleinen abschieben, ich kann es nicht leugnen.
Eben war es dann also so weit:
Wir fahren zum Kindergarten. In der Tasche ein leckeres Pausenbrot, kleingeschnittene Möhren (für die Schweizer Leser: Rüebli) und das Getränk in der nagelneuen Schlümpfe-Trinkflasche. Die Sonne scheint, der Himmel lacht und zeichnet mit den Wolken Geschichten für uns auf. Flo ist motiviert, schließlich darf er auch Papa Schlumpf zur Feier des Tages mitbringen.
»Um zwölf, wenn die Glocke läutet!«, sagt er, als ich mich verabschieden will.
»Heute bleibst du über Mittag.«
»Na gut«, sagt Flo. »Dann eben um zwei, wenn die Glocke läutet.«
»Um zwei«, bestätige ich und zwinkere ein Tränchen weg, das sich herausstehlen will. »Es gibt bestimmt etwas Leckeres zu essen«, füge ich noch hinzu, um ihn und mich zu trösten.
»Was denn?«, will Flo wissen.
Weil ich keinen blassen Schimmer habe, gucken wir auf die Liste, die am Schwarzen Brett hängt.
Mist.
»Es gibt grüne Bohnensuppe.«
Flo sackt sichtlich in sich zusammen.
»Die schmeckt bestimmt viel besser als zu Hause«, sage ich. »Und außerdem gibt es noch ein, äh, Vollkornbrötchen dazu.«
Ich schäme mich, ehrlich, aber für dieses miese Timing kann ich nun wirklich nichts. Leider habe ich noch nicht einmal eine fröhliche Pointe zum Schluss, denn an Bohnensuppe führt einfach kein Weg vorbei. Mein Fazit für den Beginn dieser neuen Ära?
Nicht für jeden ist ein Neuanfang schön. Manchmal muss man in die grüne Bohne beißen.