Flötenzeit

Flötenzeit

Julia erbt überraschend die Villa ihres Großvaters. Im Keller des Hauses hört sie seltsame Flötentöne und stößt auf mysteriöse Dinge aus der Vergangenheit. Als sie dann auch noch das Foto eines unbekannten Mannes auf ihrem Handy entdeckt, ist Julia verwirrt: Der Fremde sieht einem ihrer Vorfahren zum Verwechseln ähnlich. Ist es wirklich Clemens, der Bruder ihrer Urgroßmutter, der bereits vor 90 Jahren gestorben ist? Bei ihren Nachforschungen muss Julia erkennen, dass die Vergangenheit stärker mit ihrem Leben verwoben ist, als sie zunächst geahnt hat, und dass Clemens über Ozeane der Zeit hinweg tiefe Gefühle in ihr weckt. Dann findet sie einen Liebesbrief, der hundert Jahre darauf gewartet hat, nur von ihr gelesen zu werden …

Über eine Liebe,
die Raum und Zeit überwindet …

Playlist

Love Remembered (Bram Stoker’s Dracula)
 — Wojciech Kilar
Lenskis Arie (aus der Oper Eugen Onegin)
 — Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Der englische Patient
 — Gabriel Yared
Pavane in fis-Moll, op. 50
 — Gabriel Fauré
I Had A Farm In Africa (Jenseits von Afrika)
 — John Barry
Syrinx (ursprünglich: La Flûte de Pan)
 — Claude Debussy
Madame Olenska (Zeit der Unschuld)
 — Elmer Bernstein
Big My Secret (Das Piano)
 — Michael Nyman
Klarinettenkonzert in A-Dur KV 622, 2. Satz Adagio in D-Dur — Wolfgang Amadeus Mozart
»Siciliano« in g-Moll aus der Sonate II in Es-Dur, BWV 1031
 — Johann Sebastian Bach
Adagio for Strings, op. 11
 — Samuel Barber
Somewhere In Time
 — John Barry

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Trailer

Das Märchen von der blauen Blume

Einst stand in Bonn eine große Wasserburg, die umgeben war von einem prächtigen Garten. Der Zauberer, der in dieser Burg lebte, wanderte täglich durch den Garten und berührte mit seinem Zauberstab die Blumen und Gräser, die daraufhin sofort zu blühen anfingen. Er liebte das Trillern der Blaumeisen, die in seinem Garten wohnten. Als er aber alt und immer älter wurde, sein Bart lang und immer länger und seine Ohren schwach und immer schwächer, sah er im Gras fünf Blaumeisen sitzen, die sich lebhaft unterhielten. Ihre Schnäbel waren weit geöffnet, aber er hörte ihre Stimmen nicht. Darüber wurde er sehr böse und er beschloss, dass niemand das Trillern seiner Blaumeisen hören durfte, wenn er selbst es nicht mehr hören konnte. Er berührte die fünf Meisen mit seinem Zauberstab, sagte das magische Wort Akelei und verwandelte sie in eine zarte Blume mit fünf blauen Blütenblättern. Jetzt würde niemand mehr seine Meisen hören, aber er allein würde diese herrliche Blume betrachten können, so oft er es wollte. Doch sobald er die Blaumeisen verzaubert hatte, begann er noch schneller zu altern als zuvor: Seine Augen wurden trüb und immer trüber, bis er die Blume gar nicht mehr sehen konnte. Seine Beine wurden lahm und immer lahmer, bis er gar nicht mehr gehen konnte und seine Finger steif und immer steifer, bis er nicht einmal mehr den Zauberstab halten konnte. Als auch noch sein Atem flach und immer flacher wurde, starb er. Nun raste die Zeit erst richtig dahin. Kein Tag war wie der andere. War es gestern erst Frühling, schien heute bereits die Sommersonne. Fielen morgen die Blätter im Herbst herab – fiel am Tag darauf schon der Schnee vom Himmel und bedeckte die blauen Blütenblätter der verzauberten Blume, die als Einzige niemals welken wollte. Auch an dem prächtigen Garten ging die Zeit nicht spurlos vorüber: Die Gräser wuchsen in die Höhe, die Bäume wurden alt, ließen ihre schweren Äste hängen. Oft brachen sie schon am nächsten Tag, wenn der Schnee sie niederdrückte. Es wuchsen keine Früchte mehr in den Sträuchern und die Tiere fanden keine Nahrung. Die Vögel zogen fort und sangen ihre Lieder in anderen Gärten, die Eichhörnchen sprangen über die Zweige und suchten sich ein neues Zuhause in den Wäldern. Eines Tages schlug ein Blitz in die verlassene Burg ein und das Feuer verkohlte jeden Stein, brannte jedes Stück Holz und jeden Grashalm bis zum Weiher nieder. Übrig blieb eine traurige Ruine. Einzig allein die blaue Blume stand noch an ihrem Platz, unversehrt und frisch, nicht einmal der Aschestaub hatte sich auf ihre Blätter gelegt. So vergingen viele Jahre und die Menschen blieben dem Garten fern. Sie erzählten sich schauerliche Geschichten über die Ruine und die blaue Blume. Sie flüsterten über einen Wassergeist, der innerhalb des Wassergrabens sein Unwesen treiben sollte. In einem Dorf lebte zu dieser Zeit ein Junge, der noch kurze Hosen trug und vom Mannesalter weit entfernt war. Er liebte die Pflanzen, und als er die vielen Geschichten über die blaue Blume hörte, wurde er von einer großen Sehnsucht erfasst. Eines Tages packte er sich ein Bündel und machte sich auf den Weg. Die Menschen, die ihm begegneten, fragten ihn, wohin ein kleiner Junge denn alleine reiste, und er antwortete ihnen: »Ich bin auf dem Weg zur blauen Blume.« Darüber erschraken die Menschen sehr und sie wollten ihn von seinem Vorhaben abbringen. »Bleib hier, Junge, du kannst mein Geselle werden und dir wird es an nichts mangeln«, riefen sie, aber der Junge antwortete nur: »Ich bin auf dem Weg zur blauen Blume«, und ging weiter. Am Weiher angekommen, war ihm der Überweg versperrt und die Menschen beschworen ihn: »Kehr um! Das ist ein Ort, an dem die Zeit so schnell vergeht, dass kein Mensch dort lange überleben kann!« Aber der Junge antwortete nur: »Ich bin auf dem Weg zur blauen Blume«, zog Schuhe und Strümpfe aus, sprang behände in den Weiher und schwamm ans andere Ufer. Er kletterte über die verkohlten Steine und die Ascheberge hinweg, so dass sich seine Füße und Beine schwärzten. Den ganzen Tag suchte er die blaue Blume, aber er fand sie nicht. Schließlich lehnte er sich zum Schlafen an einen Stein, und als er wieder erwachte, bedeckte glitzernder Schnee die Ruine. Frierend fuhr er mit seiner Suche fort, aber am Abend hatte er sie immer noch nicht gefunden, und er musste seinen Platz am Stein wieder einnehmen. Am nächsten Morgen war der Frühling hereingebrochen und er hörte das Vogelzwitschern in der Ferne. Seine Hose zwickte und zwackte, weil er gewachsen war. Als ihn plötzlich eine liebliche Stimme ansprach und ihn nach seinem Namen fragte, erschrak er. Vor sich entdeckte er das schönste Mädchen, das er jemals gesehen hatte. »Wer bist du?«, fragte er. »Bist du der Wassergeist?« »Ich bin die Zukunft«, sagte das Mädchen. »Ich werde Dir zeigen, wo die blaue Blume einmal stehen wird.« Und sie führte den Jungen durch den Garten bis zur blauen Blume. Freudig warf sich der Junge auf den Boden und atmete den süßen Duft ein. Er griff nach der blauen Blume, aber er konnte sie nicht pflücken. Die Blütenblätter waren weich und glatt und entzogen sich ihm. »Warum möchtest Du die blaue Blume pflücken?«, fragte das Mädchen. »Weil ich sie schon so lange gesucht habe«, antwortete der Junge. Und da erzählte ihm das Mädchen vom Zauberer und den verzauberten Blaumeisen. »Wenn du die blaue Blume pflücken willst, dann musst du einen Zauber finden, der die Meisen befreit. Du musst die schönste Vogelstimme finden, die sie aus der Blume wieder herauslocken kann.« Den ganzen Tag suchte der Junge nach einem Vogel. Am nächsten Tag war der Sommer angebrochen und er war schon wieder ein Stück gewachsen, doch seine Suche nach einem Vogel blieb erfolglos. Viele Tage vergingen. Es wurde Herbst und es wurde Winter. Es wurde Frühling und es wurde Sommer und so fort. Aus dem Jungen war ein Jüngling geworden, aber er hatte immer noch keinen Vogel gefunden. »Dann muss ich die Vögel eben auf eine andere Art herauslocken!«, sagte er sich. Doch als er zur blauen Blume zurückkehren wollte, fand er sie nicht mehr. Plötzlich hörte er wieder die liebliche Stimme des Mädchens. »Ich bin die Vergangenheit«, sagte es. »Ich zeige Dir, wo die blaue Blume einmal gestanden hat.« Und sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn zur blauen Blume. Der Jüngling setze sich und begann zu pfeifen. So fröhlich und hell, dass das Mädchen vor Freude weinte. Auch die blaue Blume regte sich. Ihre weichen Blätter wiegten sich, ihr haariger Stängel krümmte sich und sie duftete stärker als jemals zuvor. Doch allein mit seinem Pfeifen konnte er die Vögel nicht hervorlocken. Wütend trat der Jüngling nach der blauen Blume und das Mädchen rannte erschrocken fort. Viele Tage vergingen. Es wurde Herbst und es wurde Winter. Es wurde Frühling und es wurde Sommer und so fort. Aus dem Jüngling war ein stattlicher Mann geworden, aber er hatte immer noch keinen Vogel gefunden und das Pfeifen aufgegeben. Da entdeckte er am Uferrand des Weihers einen festen Stock, der herangespült worden war. Er entnahm seinem Bündel ein Messer und schnitzte sich daraus eine Flöte. Doch sein Flötenspiel war noch hölzern und ohne Seele. »So kann ich unmöglich der blauen Blume vorspielen«, sagte er sich. Er setzte sich auf seinen Stein und übte viele, viele Tage lang. Es wurde Herbst und es wurde Winter. Es wurde Frühling und es wurde Sommer und so fort. Aus dem stattlichen Mann war ein alter Mann geworden. Noch immer hatte er keinen Vogel gefunden. Doch hatte er sehr lange das Flötenspiel geübt und war bereit, der blauen Blume vorzuspielen. Er lief durch den Garten und suchte sie, aber er konnte sie nicht finden. Und dann wurde er des Suchens müde und setzte sich auf seinen Stein. Plötzlich sprach ihn das schöne Mädchen an: »Ich bin die Gegenwart«, sagte es. »Ich werde dir zeigen, wo die blaue Blume steht.« Der alte Mann aber antwortete: »Wie kannst du nun die Gegenwart sein? Und wie konntest du die Zukunft sein, wenn es sie noch gar nicht gibt? Wie konntest du die Vergangenheit sein, wenn sie schon längst tot ist?« Das Mädchen lächelte und nahm den alten Mann an die Hand. »Wie kann die Vergangenheit tot sein, wenn sie nicht einmal vergangen ist?«, fragte es. Und dann führte es ihn zur blauen Blume. Der alte Mann setzte sich auf den Boden und begann zu spielen. Er spielte so hell und lieblich wie Lärchengesang, klingend wie die Amseln und schmetternd wie ein Fink. Die Blütenblätter der blauen Blume erbebten, der Stängel bog und streckte sich, und der alte Mann spielte weiter. Schnell und immer schneller tirilierte sein Flötenspiel durch den Garten und plötzlich war die Luft erfüllt von Vögeln. Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie herangeflattert. Die, die er so lange Zeit gesucht hatte, kamen nun zu ihm – herangelockt von seinem Flötenspiel – und lauschten still und leise. Das Mädchen weinte vor Freude und Glück, und ihre Augen waren erfüllt von Liebe zu dem Jungen, den Jüngling, dem stattlichen und dem alten Mann. Selbst die blaue Blume hörte das Seelenspiel und öffnete sich weit. Die Blütenblätter spreizten sich und gaben die Blaumeisen frei. Mit einem fröhlichen Trillern flatterten sie heraus und erfüllten den Garten mit neuem Leben. Schon begannen die ersten Halme zu sprießen. Sie wuchsen in die Höhe, verdrängten den Aschestaub, überwucherten die Ruine und entfalteten sich mit prächtigen Blüten. So lange Zeit hatte der alte Mann immer nur die Ruine vor Augen, dass die Schönheit, die ihn nun umgab, ihn blendete. Sein Flötenspiel verstummte. »Jetzt kannst du deine blaue Blume pflücken«, sagte das Mädchen zu ihm. Der alte Mann sah auf die blaue Blume und dann in die Augen des Mädchens, aus denen so viel Liebe zu ihm sprach und ihm wurde bewusst, dass er die blaue Blume gar nicht mehr wollte. Dass alles, was er begehrte, nur die Liebe in den Augen dieses Mädchens war. »Jetzt wo ich alt bin, habe ich die blaue Blume wirklich gefunden«, sagte er. Dann lehnte er sich unendlich müde an seinen Stein und schlief für immer ein. Das Mädchen begrub ihn im Garten, der nun prächtiger gedieh als jemals zuvor. Vorsichtig grub sie die blaue Blume aus und setze sie auf sein Grab. Als nach vielen Jahren die Geschichten vergessen, der Geist des Mädchens verschwunden und die Bäume wieder hochgewachsen waren, kam ein Kurfürst und baute an derselben Stelle, an der einst das Wasserschloss gestanden hatte, ein prunkvolles Schloss, in dessen Garten die schönsten blauen Blumen blühten.

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